Kultur

VERLOBUNG

Vor der Verlobung ,kam das “Verlongen” das gewöhnlich am Donnerstag geschah. War die ” vederscht Stuw” nicht hell erleuchtet , bedeutete es die Absage des Mädchens, und der Bursche brauchte nicht eintreten. Begleitet wurde der Sohn meistens vom Vater beim Verlongen” (Verlangen).Beim Eintreten ins Haus wurde eine Vorbitte bekannt gegeben. ” Geden Iuwend! Etdscheldicht,dott ech mich um heudichen Iuwend bau oech äfoanden. Et es oech bekeunt,datt ech och ir Duichter en den Ehesteund triden wallen. Ech dinken, et äs net nor der enstich Eugenbläck, doi es zesummenfäuert, sondern et äs en oufrichtich Lauf ander es. Dem niu wel ech am da Heund Ihrer Duichter bidden, und er sellt se mer verspreichen,Ech bidden am det Ja-Wuirt, mir hun es entschläusen en gämoinsemen Wich zä giuen. (Guten Abend! Entschuldigt, daß ich mich am heutigen Abend bei Euch einfinde. Es ist Euch ja auch wissentlich. Daß ich und Eure Tochter in den Ehestand treten wollen. Ich denke, es ist nicht nur der jetzige Augenblick, der uns zusammenhalten soll. Demnach will ich um die Hand Eurer Tochter bitten, und ihr sollt sie mir versprechen. Ich bitte Euch um das Ja-Wort, weil wir uns entschlossen haben, einen gemeinsamen Weg zu gehen). Die Antwort vom Vater des Mädchens war: Woen ihr än deser Zegt oech kennen gelihrt,och entschläusen sedt ze froenderen äsi well ech oech mench Ja-Wuird gin, und woantschen oech dot ir uoech änden troh bleift. (Wenn ihr in dieser Zeit euch kennengelernt und entschlossen habt, zu heiraten, so wollen wir euch das Ja-Wort geben und wünschen, das ihr einander treu bleibt). Danach wurde in festlicher Atmosphäre die Verlobung festgelegt und dann wurde später natürlich geheiratet. Zu der Verlobung kam die ganze Jugend. Samstag abends 20-21 Uhr schoß der Bräutigam mit einem Gewehr dreimal Aus dem Fenster. Das bedeutete: es kann losgehen! Als erstes sangen die Burschen ein Lied, aus der Jugendzeit:

Es blühen Rosen, es blühen Nelken.

Nun zeigte sich der Bräutigam: auf dem Hut einen Blumenstrauß aus Strohblumen (Brojemstreiss).neben ihm die Braut mit einem großen Nudelbrett voller Gebackenem, eine Art Fladen Gebäck und Stritzel, und der Bräutigam mit Schnaps es wurde Gegessen und Getrunken . Anschließend gingen die Burschen und es kamen die Mädchen. Die stellten sich im Halbkreis auf mit ihren mitgebrachten Ton Töpfen voller Kohle, und sangen das Brautlied. Das Brautpaar stand umschlungen und hörte zu.

Et goid en Ried durch aus Gamoin, et es en frodich leugt.

(Es geht eine Rede durch unser Dorf, es ist ein freudiger Klang)

Nun antwortete die Braut, indem sie singt, das Lied:

Ech dunken oich well ihr sejt kun ze desem Eugenbleck.

(Ich danke euch für euer kommen zu diesem Augenblick)

Zum Abschluß holen jetzt die Mädchen ihre Krüge hervor ,und schlagen sie auf und Singen:

Det Schessen nit ach nechen oijd, neh kit as Poalver drun.

(Das Schießen nimmt kein Ende mehr, jetzt kommt unser Pulver dran)

Dann holt die Braut das Nudelbrett mit dem Gebackenem hervor und bedient, der Bräutigam geht mit Schnaps und Wein herum und es nimmt kein Ende mehr.

Ausführlicher kann man es im Buch ” Wie kommt man nach Roseln?” nach schlagen.

HOCHZEIT

Das Aufgebot unseres Brautpaares ist abgelaufen, es geht ans Besprechen der Vorbereitung zur Hochzeit. Mittwochs wurde das Mehl gezimmst, eine Sache, die nur die Frauen anging. Der Brautvater und der Bräutigam kümmerten sich um die Getränke, denn es mußten doch 200-500 Gäste bewirtet und versorgt werden. Dazu kam das Personal in den Tagen vor und nach der Hochzeit. So eine Hochzeit war ein Fest für das halbe Dorf. Es wurden die beiderseitigen Verwandten, Nachbarn, Freunde, Bekannte, oft auch aus andern Dörfer eingeladen, so daß die Anzahl oft die ursprüngliche Planung übertraf. Donnerstag wurde Brot gebacken, die Stritzel, die ganzen Fladen und Hanklich am Freitag. Die Zutaten dafür wurden einen Abend vorher durch das sogenannte „Ăfkleiwen”eingesammelt; Jungen und Mädchen gingen mit kleinen Körben und Schăiffchen (Fäßchen) von Haus zu Haus und jeder gab nach Belieben Butter, Eier, Milch oder Rahm. Wer sich den Brautleuten besonders zugetan fühlte, aber nicht auf die Hochzeit geladen war, schickte noch durch sein Kinder Zutaten. Geladene überreichten zusätzlich noch ein Huhn. Das alles ging in das Haus des Bräutigams, die Braut hatte ja an der Verlobung das ihre getan.

Samstag war dann, so zu sagen, die Hölle los! Morgens um 4 Uhr gingen Jugendliche mit Deckel und sonstigem Schlagzeug bewaffnet herum und sangen den Frauen an den Fenstern.

Geden Morjen, geden Morjen, kreischt der Kokesch ăf dem Baut,
Guten Morgen, guten Morgen, schreit der Hahn auf dem Bett,

Alle Frauen trafen sich nun in aller Herrgottsfrühe am Hochzeitshaus, denn es gab eine Menge Arbeit. Es mußten alle Hühner geschlachtet werden, das Kleingebäck wurde gebacken, das „Briudàlauwend“, eine mit den Innereien der Hühner hergestellte Brühe, mußte gekocht werden, die eigentliche Hochzeitsuppe, der Braten und was noch alles dazugehörte, mußte fertiggemacht werden. Es wurde noch einmal frische Hunklich Gebacken, und jeder, der etwas zusätzlich geschickt hatte aber nicht geladen war, bekam von den Mädchen in Festkleidung eine Hunklich zugeschickt. Das war ein Leckerbissen, so eine warme Hunklich mit einem oder zwei Gläsern Wein!

Die Burschen betätigen sich auf einem anderen Gebiet: es wurde ein Viergespann vor einen großen Wagen gespannt, man fuhr in den Wald und brachte das Hochzeitsholz. Vorher machte man eine Ehrenrunde durch das Dorf, wobei alle Mädchen auf dem Wagen standen. Die Fuhre Holz war so hoch geladen, daß man vom Wagen aus den Torbogen erreichen konnte. Wenn man aus dem Wald kam, hatten die Mädchen an dem Torbogen drei Pakete angebracht, eines mit Wein, eines mit Eßbarem von der Hochzeit und eines mit den Köpfen und Krallen der geschlachteten Hühner.

Mit Karacho ging der Vierspänner nun durchs Tor und die Burschen griffen zu, durften aber nur zwei Pakete nehmen. Die Gaudi war natürlich groß, wenn sie die Hühnerköpfe bekamen.

Nun wurde erst einmal gegessen, denn nach dem Holzschlages hatte man einen Riesenhunger

Anschließend wurde das ganze Holz ofenlang zugeschnitten, der junge Mann sollte ein Jahr lang kein Holz spalten müssen, er hatte sich nur um die junge Frau zu kümmern! Nachmittags wurde nun das ganze Essen und die Getränke in das Kulturheim gebracht. Dort waren genügend Räumlichkeiten zum Aufbewahren und Anwärmen am Hochzeitssonntag. Am Sonntag zwischen 6 und 10 Uhr versammelte man sich im Saal des Kulturheimes. Es gab eine kräftige Hühnerbrühe (Briudàlawend) mit Brot und auch einem Schnaps. Dann erschien das Brautpaar: die Braut mit ihren traditionellen Bändern um die Hüften, noch den Borten auf dem Kopf, der Bräutigam mit seinem Brautstrauß in der Hand. Nach Beendigung des normalen Gottesdienstes klangen die Glocken nun zur Hochzeitskirche. Mit einem Hochzeitsmarsch der Adjuvanten ging es nun mit viel Geschrei zur Kirche.

Hochzet hu mer, Hochzet hu mer, ei wa wirt deut lostich senj.
Knieden, kàuchen,bàcken, briudàn, drencken àch den bàisten Wenj.
Hochzeit haben wir, Hochzeit haben wir, ei wie wird das lustig sein,
Kneten, kochen, backen, braten, trinken auch den besten Wein.

Das waren die Schreie, die man bis zur Kirche hin hörte. Nach der Trauung kam das Beschenken (Giuwàn):bei gedämpfter Musik ging jeder, ob groß oder klei, und schenkte dem Brautpaar seine Gabe. Es wurde Geld, Hausrat für Küche, Haus und Hof und alles mögliche gegeben, was das junge Paar für den neuen Betrieb brauchen konnte.

Die Jugend legte zusammen und führte ihr Geschenk in zwei verpackten Bütten vor, in der einen war das Geld in der andern irgend ein Quatsch. Nun mußte die braut wählen, und die andere Bütte bekam der Bräutigam. Einmal hatten sie in die eine Bütte ein gefesseltes Büffelkalb gesteckt. Die Braut war natürlich glücklich, wenn sie das Geld bekam.

Dann folgte das Mittagessen. Man ließ es sich schmecken, dazu spielte eine Tischmusik (der Postilon). Anschließend war Tanz, und immer wieder wurde getrunken und gegessen, denn auf den Tischen wurde das Gebackene und der Wein nie alle. Die Hochzeit ging bis nach Mitternacht, mit allen möglichen Einlagen, Vorführungen und Reden, die meistens der Hr. Pfarrer hielt.

Am Nachmittag wurde der Braut der Borten abgenommen. Ein redegewandter Gast rief die Braut in die Mitte des Saales und entkleidete sie ihres Gürtels mit den bunten Bändern und nahm ihr den Borten (Buirtàn ) vom Kopf. Das war symbolisch der Übergang von der Braut zur jungen Frau.

Anschließend wurde sie in die Kirchentracht Gebockelt, und gleichzeitig noch zwei andere Frauen die in der Regel die Frauen der Trauzeugen waren, und so gingen alle drei in die Kirche ( Fàisperkirch ) um den Segen zu empfangen, das der Übergang von Braut zur jungen Frau auch Kirchlich bestätigt war. Anschließend folgte der Tanz mit dem jungen Paar. Beide banden sich eine Schürze um und dann tanzte jeder Gast, ob groß oder klein, mit dem Brautpaar: die männlichen Gäste mit der jungen Frau, die weiblichen mit dem jungen Mann. Es wurden allerdings nur ein paar Runden getanzt, wobei jeder einen Geldschein oder Geldstück in die Schürze legte. Nachdem dieser Tanz vorbei war, wurde noch eine Weile weiter Getanzt. Mittlerweile zeigte die Uhr halb Zwei und plötzlich merkte man: das Junge Paar war weg!. Es hieß, sie sein das Geld zählen gegangen.

Montag gegen neun Uhr versammelten sich alle Jugendlichen, um das junge Paar abzuholen. Nun geht es mit Musikbegleitung, wo das Fest weiter geht. Es wird gefrühstückt, es wird schon wieder getrunken und getanzt. Mittags wird noch einmal gegessen und anschließend beginnt man mit dem Abräumen. Mit einem Wort: es wird Klarschiff gemacht.

Das weitere Leben dieses jungen Paares hing jetzt von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern bzw. der Gegeneltern ab. War eines der jungen Leute das einzige Kind, so stieg man gleich voll in die Landwirtschaft ein, was in Roseln allerdings selten war.